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Vorfahren am Brigerberg ab 1801

Clausen/Glaisen

Inhalt

Geschichte


Der Familienname
Das Wappen
Leben und Wirken unserer Vorfahren:


Die Auswanderer

Sagen und Geschichten

Vorfahren am Brigerberg ab 1801

Nach dieser schrecklichen Jahrhundertwende, die nichts als Armut und Elend über das Land brachte, beruhigte sich die Lage im Simplongebiet ein wenig. Das eigentliche Kriegsgeschehen verlagerte sich nach Italien. Dennoch war es Napoleon mit seinen Soldaten, der das Leben im ganzen Wallis prägte. Der Durchzug von Heeren oder Truppenteilen wurde zur Alltäglichkeit. So auch im Mai 1800, als General Bethencourt mit 1000 Soldaten über den Pass zog, um für Frankreich in der Schlacht von Marengo zu kämpfen. Es war eine beschwerliche Reise. In den "Kalten Wassern" donnerten den Soldaten Frühjahrslawinen entgegen. Man muss bedenken, dass diese Reise auf dem alten Saumpfad erfolgte, der nicht mit Galerien und Tunnels gesichert war. Zu allem Übel hatten die Bewohner des Simplons in ihrer "hilfreichen Art" die alten Brücken über die reissenden Bergbäche abgerissen, um dem Feind das Vorwärtskommen zu erschweren. Unter grössten Gefahren und Strapazen schaffte es Bethencourt mit seinen Soldaten, Italien zu erreichen. Er berichtete Napoleon von den Schrecken der Simplonüberquerung. Dieser wusste jedoch um den strategischen Wert des Passes und wollte ihn unter allen Umständen für seine Heere passierbar machen. Deshalb befahl er, über diesen wilden Pass eine grosse Militärstrasse zu bauen.

Unser Vorfahr Johann Anton lebte zu dieser Zeit im Brigerberg und wurde 1801 eingebürgert. Mit dem Eintrag im Kirchenbuch von Ried-Brig wurde unsere Familie erstmals offiziell als "Glaisen" eingeschrieben. Wo Johann Anton genau gewohnt hat und welcher Tätigkeit er ausser der Landwirtschaft nachging, ist mir leider nicht bekannt. Ein Hinweis gibt das Dok. 8 vom 07.07.1815, indem geschrieben steht, dass er nach Brig gehen musste, um den Truppen "das Fleisch zu sieden". Vielleicht war er Wirt, wie schon sein Vater in Ruden.

1801 war auch das Jahr, indem der Bau der Napoleonstrasse begann. Der erste Spatenstich erfolgte am 26. März neben der Pfarrkirche in Glis. Die Arbeiten an diesem gewaltigen Bauwerk wurden mehrmals unterbrochen. Grund waren meistens Kompetenzstreitigkeiten zwischen den militärischen und zivilen Befehlshabern. Ein weiterer Streitpunkt war die Linienführung an den exponiertesten Stellen der Strasse. Erst als Napoleon dem Ing. Céard die alleinige Oberaufsicht zusprach, ging der Bau zügig vorwärts. Im Herbst 1805 wurde die Strasse offiziell eröffnet, obwohl sie an einigen Stellen nur notdürftig erstellt war.

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Das Schutzhaus No. 6, die sogenannte «Barriere» auf dem Simplonpass. Es wurde am 3. Mai 1903 von einer Lawine weggerissen und nicht wieder aufgebaut. Als Vorlage für die Zeichnung diente eine Lithographie von Renaud aus dem Jahr 1820.

Der Bau dieser Strasse brachte eine kleine Verdienstmöglichkeit für das durch die Verwüstungen der Kriegsjahre unter bitterer Not leidende Oberwallis. Gleichzeitig entstand aber auch eine neue Belastung. Unzählige Arbeiter aus fernen Ländern mussten verköstigt werden. Dies war beim ohnehin kargen Nahrungsmittelangebot nicht immer leicht. Hinzu kam, dass sich unter diesen Arbeitern zum Teil finstere Burschen befanden, die vor keinem Verbrechen zurückschreckten, wenn es galt, etwas zum eigenen Vorteil zu erreichen.

1802 ernannte Kaiser Napoleon das Wallis zur eigenständigen Republik. Unser Johann Anton mit seiner Familie war jetzt Bürger der "Republik Wallis". Am Leben beidseits des Simplons änderte diese Tatsache aber leider nichts. Die Franzosen liessen keine Gelegenheit ungenutzt, der Bevölkerung ihre "Erobererstellung" klar zu machen.

So kam es, dass Johann Anton am 14. November 1810 als Jean Antoine erwachte. Napoleon hatte das Wallis als "Departement du Simplon" kurzerhand dem französischen Kaiserreich einverleibt. Aber auch als Franzose war das Leben nicht leichter als früher. Das Volk beugte sich der Knechtschaft der Franzosen. Nie aber verlor es die Hoffnung, eines Tages seine Peiniger loszuwerden.

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Die Postkutschenstation Berisal an der Simplonstrasse um 1840. Um die letzte Jahrhundertwende wandelte sich der Ort zu einem bekannten Luft-Kurort. In der Neuzeit verblasste der Ruhm des Berisal. Heute ist es nur noch eine kleine Postautostation. Als Vorlage für die Zeichnung diente eine Lithographie von Joshua Dolby von 1840.

Im Oktober 1813 erlitt Napoleon in Leipzig eine entscheidende Niederlage und wurde auf die Insel Elba in Gefangenschaft geschickt. Die Bewohner des ganzen Wallis, unter ihnen auch Johann Anton und seine Familie erlebten, wie die Franzosen ihr "Departement du Simplon" überstürzt verlassen mussten. Dies bedeutete aber für die Leute am Simplon noch lange nicht das Ende des Kriegslärms.

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«Eingang von Brig» betitelt ein Künstler seine Bleistiftzeichnung von 1840. Sie zeigt die Brücke über die Saltina und das kleine Stadttor von Brig.

Im Dezember 1813 versuchte eine geschlagene französische Armee von 18'000 Mann den Pass zu überschreiten. Dieser zeigte sich von seiner schrecklichsten Seite. Gewaltige Schneemassen und Stürme versperrten den Weg. In Ställen, Hütten, Wald und Felslöchern verkrochen sich die Soldaten. Die Schutzhäuser, die zur Not 12 bis 15 Personen aufnehmen konnten, waren umlagert von Hunderten Halberfrorener. Wie Ratten verkrochen sich die Soldaten in alle Winkel und Löcher und rissen alles Essbare an sich. In Brig brach unter den Truppen der Typhus aus. Das Kollegium wurde in ein Spital umgewandelt. Erst nach mehreren Tagen legte sich der Sturm und die überlebenden Soldaten konnten nach Italien weiterziehen.

Ihnen folgte Oberst Simbschen mit einer österreichischen Armee, die den Auftrag hatte, die Verbindungslinie der französisch - italienischen Armee über den Simplon zu unterbrechen. Simbschen bildete Kompanien von Walliser Soldaten, die durch die Oesterreicher mit Waffen und Munition versorgt wurden. Noch bis Mitte Mai 1814 lieferten sich diese Kompanien zusammen mit den Oesterreichern zahlreiche Gefechte gegen die "welschen Franzosen", welche versuchten, von Domo her den Simplon wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. So kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen in Ruden, Simpelen, auf dem Pass und im Berisal. Am 16. Mai endlich verliessen die fremden Truppen das Wallis. Oberst Simbschen zog mit den Verbündeten über den verschneiten Simplon nach Italien.

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Embleme des Departements des Simpelberges:

  • Links: neben der Reichsadler steht Minerva, die Göttin der Künste undder Wissenschaft.
  • Mitte: Die Göttin hält in der Rechten ein Zepter mit aufgesetztem Spiegel. Auf dem Sockel steht der doppelgesichtige Kopf des Gottes Janus.
  • Rechts: Der Reichsadler mit der Kaiserkrone steht auf einer Gewitterwolke.

Als am 11. März 1815 Napoleon aus seiner Gefangenschaft auf Elba entfloh, geriet Europa nocheinmal in Aufruhr, und die alliierten Armeen zogen auf's neue gegen Frankreich. Dies bescherte dem Simplongebiet und Brig den grössten zusammenhängenden Truppendurchzug, den es je erlebt hatte. General Bubna zog mit 80'000 Oesterreichern und Russen von Italien über den Simplon nach Frankreich. Während dieser Zeit leistete Johann Bartholomäus, ein Sohn von Johann Anton, Militärdienst in Sitten.

Ein Brief vom 7. Juli 1815, in dem Vater Johann Anton seinem Sohn schreibt, dokumentiert diesen Truppendurchzug eindrücklich. Er schildert, wie die Soldaten am 18. Juni in Brig angekommen sind. Nachts um 1 Uhr musste er nach Brig um den Truppen das Fleisch zu sieden. Der 13 jährige Franz war allein im Haus am Brigerberg, als die Soldaten einbrachen. Sie haben Lebensmittel, Leintücher, ja so ziemlich alles gestohlen, was ihnen in die Hände viel. Johann Anton schreibt: "uns ist nicht ein Kreuzer geblieben." Dies war nach 1799 bereits das zweite Mal, dass ihm und seiner Familie von plündernden Truppen alles geraubt wurde. Zum Glück für die schwergeprüfte Bevölkerung der Simplonregion war es der letzte Durchmarsch ausländischer Armeen. Er bildete den Abschluss einer unseligen, blutigen Zeit unter fremder Herrschaft.

1815 schloss sich das Wallis dem Bund der Eidgenossenschaft an. Johann Anton und seine Familie wurden jetzt Eidgenossen, nachdem sie bereits "Walliser" und "Franzosen" waren.

Beim Lesen der zahlreichen Dokumente die in dieser Dokumentation eingefügt sind fällt auf, dass in den Jahren nach der Franzosenzeit bis zum Beginn des 20. Jh. für fast alle Geschäfte, die mit Geld zu tun hatten, ein Schuldschein ausgestellt wurde. Zum Teil wurden diese Schuldscheine auch für sehr kleine Beträge ausgestellt. Für die ausstehenden Summen wurden Zinsen verlangt, die jeweils an den Patronatstagen von St. Georgi (23.04.) oder Martini (11.11.) zu bezahlen waren. Oft konnten diese Zinsen nicht fristgerecht entrichtet werden, was zu Mahnungen und Zahlungsaufforderungen durch richterliche Instanzen führte. Da in der damaligen Zeit kein oder nur sehr wenig Bargeld vorhanden war, wurden die Schulden oft mit Naturalien oder Arbeitsleistungen beglichen.

Im November 1817 berichtete ein Schreiben des Richters Johann Ignaz Kuonen von Ried, dass Maria Josepha Schmidhalter versuchte, ihrem Ehemann Johann Anton das fahrende und liegende Vermögen zu entziehen (heute würde man ein solches Vorgehen Entmündigung nennen). Der Sohn Josef Bartholomäus sollte des Vaters Verantwortlichkeit übernehmen. Welche Hintergründe dieses Verhalten hatte, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Jedenfalls mussten sich die Beteiligten in Begleitung des Sachverwalters Johann Inalbon am 28. Dezember 1817 um 10 Uhr vor dem Richter im Ried einfinden.

Obschon unsere Familie um 1800 von der Südseite des Simplons in den Brigerberg übersiedelt ist, hatten sie in der "Gitera" und im "Kromji" noch Alprechte. Diese Alpen befanden sich an den Eggen gegen das Engeloch auf dem Gebiet der Gemeinde Simplon-Dorf.

1826, im Alter von 30 Jahren heiratete Josef Bartholomäus, der 2.Sohn des Johann Anton, die Maria Franziska Zimmermann. Im Jahr 1829 liess der gelernte Zimmermann ein Haus im Lingwurm bauen, welches als Werkstatt und gleichzeitig als Wohnhaus diente.

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Das «Glaisen Haus» im Lingwurm nach seiner Erbauung im Jahr 1829. Der Zeichnung liegt kein gesichertes Orginal zugrunde. Anhand von Erzählungen, die den Innenausbau um die Jahrhundertwende wiedergeben, muss das Haus vor der Aufstockung im Jahr 1869 in etwa so ausgesehen haben.

Kurze Zeit später, auf jeden Fall vor dem Mai 1829, muss sein Vater Johann Anton gestorben sein. In einem richterlichen Schreiben wird Josef Bartholomäus als Solidarerbe seines Vaters selig aufgefordert, die Restschuld von 210 Batzen für einen vom Vater gekauften Wagen zu begleichen.

Im August 1829 wurde sein zweiter Sohn Josef Anton geboren.

Neben der Arbeit als Zimmermann betrieb Josef Bartholomäus mit seiner Familie auch eine kleine Landwirtschaft. Am 27. April 1832 bezahlt er 151/2 Pfund Zinsen für die Alpe "Horumatta" in Simplon-Dorf.

Immer wieder wird er von einem Michael Jordan von Simplon mittels Mahnschreiben aufgefordert, den Zins einer Schuld von 400 Pfund zu entrichten. In einem Brief vom Oktober 1837 schreibt Jordan: "Es ist mir sehr auffallend, dass sie ihre Schuld und ihre Verpflichtungen bei mir so nachlässig dahinschlummern lassen. Sie haben mir versprochen, auf den letzten Martini 100 Pfund an Kapital mit den rückstehenden 886 Batzen Zins zu zahlen. Von allem hielten sie nichts. Falls ich bis Weihnachten keine befriedigende Antwort erhalte, werde ich andere Mittel brauchen müssen".

Ich vermute, dass es sich dabei um Schulden handelt, die durch den Erwerb eines Grundstücks von der Familie Jordan entstanden sind. Nachdem die vorbeiziehenden Truppen im Juni 1815 unseren Vorfahren alles gestohlen haben fehlten die Mittel, um die Schuld zu begleichen .

1835 starb Maria Josepha, die Mutter von Josef Bartholomäus. Von ihr erbte er ein 22/3 Fischi grosses Stück Matta in den Aegerten im Wert von 240 Pfund und einen 13 Klafter grossen Acker bei der Fasnachtträcha mit einem geschätzten Wert von 35 Pfund. Hinzu kam 1/4 Scheune mit Stall im Lingwurm und 1/3 Recht am Stall im Hillischhüs.

Josef Bartholomäus widmete sich auch der Musik. In einem Brief vom 7. Mai 1835 wird er folgendermassen angeschrieben: " Dem geehrten Mann Bertolomei Josef Glaisen, Tambour am Brigerberg."

Im Mai 1838 war Josef Bartholomäus an einer Erbschaft von Franz im Winkelried, dem Onkels seiner Gattin, beteiligt. Er ging mit seinen Schwägern einen Accord ein, dass sein Erbteil in Kapitalien auszuzahlen ist. Er überwies diese als Teil der Schuldbegleichung an Herrn Jordan auf dem Berg.

Um 1850 mietete Josef Bartholomäus im Lingwurm von Anton Stockalper ein Gut, für das er in den Jahren 1850 - 53 die Summe von Fr. 114.28 an Zins bezahlte.

Zum Teil beglich er diesen Zins mit Arbeitsleistungen.

Im Dezember 1850 arbeitete er zusammen mit seinem Sohn Josef Anton für Alexander Miller in der Basweri. Als Lohn bezog der Vater 9 Batzen pro Tag, sein Sohn 8 Batzen. Die Bezahlung erfolgte anscheinend nicht in Geld, sondern in Naturalien, denn am 20. März 1851 erhält Josef 21 Pfund Reis und zwei Schafherden (?).

Ein weiteres Beispiel für die Zahlungsgepflogenheiten der damaligen Zeit sind die Dokumente 50 und 51. Darin erhielten sie für ihre Arbeiten Scharniere, Klofen und Nägel, sowie Wein als Teil der Entlöhnung. Es wurden auch alte Schulden und Zinsen angerechnet.

Den Gemeindezins von 35 Pfund für das Jahr 1853 beglich Josef Bartholomäus ebenfalls durch Arbeitsleistungen.

Josef Anton hat sicher bei seinem Vater Josef Bartholomäus das Zimmermannshandwerk erlernt und danach mit ihm in einer Art Familienbetrieb zusammengearbeitet. Beweise dafür sind die Dokumente 38, 40 und 43. Im Frühjahr 1853 haben beide ca. 160 Stunden an der oberen Brigeri gearbeitet. Als Stundenlohn bezogen sie 15 Rappen. 1856 und 1859 waren sie total 16 Tage für Anton Guntern in Brig tätig. Die Rechnung von Fr. 52.90 für diese Arbeiten wurde erst 1860 gestellt. Im Sommer 1859 haben beide einige Tage für Josef Tschieder im Nesseltal gearbeitet.

Auch in der damaligen Zeit mussten Steuern entrichtet werden. Am 28. April 1861 bezahlt Josef Anton die Munizipalabgaben von Brig für die Jahre 1859 und 1860. Sie beliefen sich für beide Jahre zusammen auf Fr. 4.99.

Anfang September 1861 musste Josef Anton und einer seiner Brüder gegen ihren Willen nach Sitten in den Militärdienst einrücken. Josef Anton war damals Tambour-Wachtmeister in der III. Kompanie unter Hauptmann Riedmatten. Am 7. September schreibt er seinem Vater, dass er lieber zu Hause geblieben wäre. Er sei zu dem Anton Stockalper gegangen und der habe einen Brief an das Departement geschrieben. Es habe aber nichts genutzt, da das Schreiben zu spät angekommen sei. Um diesen Brief schreiben zu lassen, musste er sich von einem Herrn Teiler 5 Franken auslehnen.

Josef Anton muss ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwister gehabt haben. Am 19. September, in einem zweiten Brief an seine Eltern im Brigerberg, bedauert er sehr nachdrücklich die unfreiwillige Trennung vom Elternhaus. Er schreibt wörtlich:"denn seit ich von Euch abgereist bin, hatte ich keine fröhliche Stunde mehr. Denn mein Herz war stets getrübt."

Aber auch die Militärzeit ging vorbei. Josef Anton konnte wieder zurück in sein geliebtes Elternhaus im Lingwurm und mit seinem Vater als Zimmermann arbeiten.

Noch im selben Jahr (1861) starb seine Mutter Maria Franziska Zimmermann.

1864 heiratete Josef Anton Philomena Eyer.

Mit der Zeit übernahm er die Werkstatt seines Vaters und erledigte in der Umgebung des Brigerberg allerlei Arbeiten. Im Januar 1868 erhielt er vom Kloster der Ursulinen in Brig den Auftrag, "24 Spalierstütt und 12 Bögen aus Lärchenholz" zu liefern und aufzustellen. Als Bezahlung wurden Fr. 75.- plus Verköstigung während des Aufstellens vereinbart.

Im Frühling 1870 wurde das Nutzungsrecht über den "Alten Stafel", der aus dem Erbgut der verstorbenen Mutter stammte, auf die Söhne von Josef Bartholomäus aufgeteilt. Nach dem Tode des Vaters sollten diese Teile wieder zusammengelegt werden und das ganze Vermögen der Eltern brüderlich geteilt werden.

Zur selben Zeit hat Josef Anton, resp. seine Frau Philomena zum Preis von Fr. 100.- eine Kuh gekauft. Bei einer Zinsbelastung von 5% wurde für die Zahlung eine Frist von 2 Jahren vereinbart. Als Sicherheit gab Philomena ein Stück Baumgarten von ca. 1/2 Fischi. Das Nutzungsrecht blieb beim Käufer. Falls der Verkaufspreis samt Zinsen nicht fristgerecht entrichtet wurde, sollte der Baumgarten in den Besitz des Verkäufers übergehen.

1869 wurde das von Josef Bartholomäus erbaute Elternhaus um 1 Stockwerk erhöht und erhielt damit seine heutige Grösse. Die neue Wohnung im ersten Stockwerk übernahm Ignaz, der Bruder von Josef Anton.

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Das «Glaisen Haus», nachdem es 1869 aufgestockt wurde.

Nachdem im selben Jahr ihr viertes Kind Brigitta im Alter von 5 Monaten starb, kam im Sommer 1870 unser direkter Vorfahr Moritz als fünftes Kind zur Welt.

Im Mai 1875 kaufte Johann Anton eine Alpe im Mittenbäch mit einer Fläche von 1080 Klafter (3974 m2), samt Anteilen an den dazugehörigen Gebäuden, zum Preis von Fr. 870.-. Diesen Betrag borgte er sich von Herrn Advokat Perrig. Als Solidarbürge stand ihm Josef Anton Michlig zur Seite. Johann Anton verpflichtete sich, bis im Mai 1879 den ersten Zins zu bezahlen. Als Sicherheit für Gläubiger und Bürgen gab er das gekaufte Gut als Hypothek an. Ende November 1886 bestätigte Advokat Perrig, den geschuldeten Betrag samt Zinsen erhalten zu haben und willigte in die Streichung der Hypothek ein.

1880 starb Vater Josef Bartholomäus im Alter von 84 Jahren.

Seine Schulden bei der Familie Jordan, die er vor mittlerweile 50 Jahren auf sich nahm, waren immer noch nicht getilgt. Die Schuld wurde unter den Söhnen Johann, Josef Anton, Ignaz und Josef aufgeteilt. Auf Josef Anton fielen Fr. 1100.- . Im Mai 1881 erhielt er und sein Bruder Josef Ignaz einen Brief von Advokat Perrig. Darin stand, dass ihr Vater Josef Bartholomäus der Familie Jordan für diese, jetzt Fr. 4200.- übersteigenden Schulden eine Alpe in den Eggen versetzt hat, diese Alpe aber 1861 an einen Josef Anton Kluser verkauft hat. Dieser seinerseits hat die Alpe an Josef Anton Arnold weiterverkauft. Die beiden Brüder Glaisen wurden aufgefordert, diese Sachen mit den Erben Jordan zu richten.

Da durch diesen Verkauf die Alpe nicht mehr als Sicherheit dienen konnte, mussten die Brüder Glaisen für die Höhe der ihnen auferlegten Teilschuld neue Sicherheiten leisten. Josef Anton gab dafür folgende Habschaft in Hypothek: Den 1400 m2 grossen Staldacker, eine Matta im "Alten Stafel" sowie die untere Wohnung im Elterhaus im Lingwurm. Laut Eintragungen auf diesem Schuldschreiben wurde die letzte Rückzahlung am 6. Oktober 1891 quittiert.

Ende März 1882 erbte Eyer Philomena, die Gattin von Josef Anton von ihrem seligen Eltern Ignaz Eyer und Katharina Albrecht einige Güter und 1/2 Scheune und Stall in der Schlüecht im Gesamtwert von Fr. 849.-. Bereits am 10. April liess Josef Anton publizieren, dass er die Erbschaft seiner Gattin am 16. April, nachmittags um 2 Uhr in der Weinstube des Herrn Josef Steiner zum Verkauf aussetzen werde.

Im Dezember 1886 trat ihm sein im Brigerberg (Schlüecht) wohnhafter Bruder Josef das Alprecht im Walderubärg, Geschnitt Simplon, als Eigentum ab.

Josef Anton starb 1892, im Alter von nur 63 Jahren.

Von da an war es Moritz, der die Geschicke unserer Familie in die Hand nahm. Moritz ist am 15. Juni 1870 in Zen Häusern bei Glis geboren. Die Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen Geschwistern, den 3 Schwestern Alina, Marie und Katharina und dem Bruder Eugen im Lingwurm.

Er besuchte die Dorfschule im Brigerberg. Damals galt noch nicht der gleiche Stundenplan, wie man ihn heute kennt. Das Schuljahr dauerte von Anfang November bis ca. Ende April. In den restlichen sechs Monate wurden die Kinder gebraucht, um im heimischen Betrieb mitzuhelfen. Moritz musste im Sommer als Hüterbub auf die Alpe Walderubärg ob Simplon-Dorf, oder in's Zwischbergental. Pro gehütetes Tier wurden 30 Rappen bezahlt.

Im Alter von 13 Jahren hatte er genug von der Schule und ging auf eigene Faust als Geisshirt nach Crevola in Italien. Von dieser Zeit erzählte er später oft seinen Kindern. Lohn hat er für seine Arbeit keinen erhalten. Das einzige was er erhielt war Kost und Logierig. Das tägliche Frühstück bestand angeblich aus zerstampften Chästine (Kastanien), die mit Rotwein zu einem Brei vermischt wurden. Ab und zu erhielt er für kleine Dienstbarkeiten ein Trinkgeld von einigen Centim. Diese Geldstücke sparte er sorgfältig auf. Nach der Rückkehr in seine Heimat konnte er seinen Eltern mit grossem Stolz einen ganzes Bündel Centimstücke übergeben. Riesig war seine Enttäuschung, als er feststellen musste, dass diese Geldstücke im Wallis vollkommen wertlos waren.

Eine weitere Geschichte, die Moritz oft zum Besten gab, war sein erster "Jagderfolg". Als Halbwüchsiger durfte er oft mit seinem Vater Josef Anton, der als sehr guter Jäger bekannt war, auf die Jagd gehen. Eines schönen Tages lauerten sie oberhalb der Wasenalp den Murmeltieren auf. Wie gewohnt schlief der Vater beim "passu" ein. Es war die Aufgabe von Moritz, ihn zu wecken, wenn sich ein Tier blicken liess. Als es dann soweit war, nahm der junge Moritz für einmal das Gewehr selber in die Hand und schoss, ohne vorher einmal geübt zu haben, auf das Murmeltier. Durch den Schuss jäh aus seinem Nickerchen gerissen, sprang der Vater auf und verpasste dem Sohn für sein Tun eine schallende Ohrfeige. Er war der Meinung, Moritz habe den Schuss aus Bosheit abgegeben, um ihn zu erschrecken. Vom Schreck des Schusses und der Ohrfeige erholt, versuchte er dem Vater klarzumachen, dass er auf ein Murmeltier geschossen habe. Sie begaben sich auf die Suche nach dem vermeintlichen Tier und fanden dieses tatsächlich leblos hinter einem einem grossen Stein. Jetzt verflog der ärger des Vaters. Er war sogar ein wenig Stolz auf seinen Sohn. Danach durfte Moritz des öftern zur Flinte greifen, wenn er mit seinem Vater auf der Jagd war. Später, als er selbst auf die Pirsch ging, besass er auch einen eigenen Jagdhund.

Als er vor der Berufswahl stand, entschied sich Moritz für das Handwerk des Zimmermanns. Er begann die Lehre bei Herrn Haas in der Schreinerei Imoberdorf in Brig. Zu dieser Zeit floss noch die "Wuhr" durch Brig. Mit ihrem Wasser trieb sie in der Sennereigasse die schweren Hämmer der Schlosserei "Zehnder" an, etwas weiter unten nutzte sie Bäcker "Amacker" für seine Getreidemühle, und zuletzt war es die Schreinerei im Kronengässi, deren Maschinen mit der Kraft des Wuhrwassers betrieben wurden.

Im Herbst 1894 bezahlte Moritz zusammen mit seiner Schwester Marie eine Schuld von Fr. 120.- samt Zinsen zurück, die ihr Vater bei Niklaus Schöpfer, wohnhaft auf den Bielen bei Brig, 1881 eingehandelte und dafür das Haus im Lingwurm, einen Acker im Widerfäld und den Liziacker als Sicherheit in Hypothek gab.

Moritz war ein sehr unternehmungslustiger und vielseitiger Mann. Er beschäftigte sich nicht nur mit Landwirtschaft und Zimmerei, sondern tat sich auch als Bergführeraspirant hervor. In den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts arbeitete er in den Sommermonaten bei Dr. Eugen Bürcher, dem Besitzer des Hotels im Berisal. Für die Führung auf's Bortelhorn und eine eintägige Wanderung über den Auronapass auf das Furggenbaumhorn, hinunter auf den Furgenbaumpass, weiter auf die Alpe Veglia in Italien und über die Bortellicka zurück in's Berisal, stellten ihm am 18.08.1895 vier Mitglieder des SAC Sektion Basel ein Zeugnis aus. Die vier Basler schreiben wörtlich:" Da er beabsichtigt, sein Führer-Examen demnächst abzulegen, so machen wir es uns zur Pflicht, ihn wärmstens seinen Kursleitern zu empfehlen, er hat das richtige Zeug eines tüchtigen Führers".

Trotz dieses ausgezeichneten Zeugnisses hat Moritz meines Wissens das Führerexamen nie absolviert.

Im Sommer 1896 fand im Café National in Brig eine öffentliche Versteigerung statt, an der die Güter einer Katharina Romberg zum Verkaufe ausgesetzt waren. Moritz interessierte sich für das 5064 m2 grosse Stück Matta und Ackerland in den Stützen. Es war ein Quadratmeterpreis von Fr. 0.50 angesetzt. Mit 2820. - Franken war Moritz der Meistbietende und bekam das Gut zugesprochen. Da er den Kaufpreis nicht sofort bezahlen konnte, stand ihm sein Onkel Ignaz als Bürge zur Seite. Zusätzlich wurde das ersteigerte Gut in gesetzliche Hypothek genommen. Im Mai 1902 war die Schuld abbezahlt und das Gut in den Stützen von der Hypothekenlast befreit.

Im Juli 1897 trat Moritz in die Schützenzunft Ried-Brig ein. Das Eintrittsgeld von Fr. 40.- konnte er nicht bezahlen. Er akzeptierte eine Verzinsung zu 5% zahlbar jährlich auf St. Martini. Als Solidarbürge trat Glaisen Ignaz wohnhaft in Lingwurm ein. Im Mai 1900 schuldete er der Schützenzunft Ried-Brig total Fr. 242.-. Er gab dafür sein Besitz in den Stützen in Hypothek. Innert einem Jahr zahlte er den geschuldeten Betrag an den Burgerpräsidenten und Hauptmann Martin Arnold zurück.

Wie schon zuvor erwähnt, war Moritz ein vielseitiger junger Bursche. Seine Arbeit in der Schreinerei Imoberdorf gefiel ihm zwar, aber er wollte auch das Autofahren erlernen. Das war zu dieser Zeit im Oberwallis noch nicht möglich. Moritz reiste deshalb nach St. Blaise bei Neuenburg, wo die Automobilfabrik "Martini" ihren Sitz hatte. Dort eignete er sich die nötigen Kenntnisse an und gelangte in den Besitz des "Permis". Er war sicher einer der Ersten, die im Brigerberg einen Führerschein besassen.

Um 1902 arbeitete Moritz dann fast ein Jahr als Schreiner in Zermatt.

Am 26.05.1903 trat er in den Stand der Ehe ein. Seine Gattin war die gelernte Schneiderin Maria Blatter vom Brigerberg.

Neben seiner Arbeit als Schreiner bewirtschaftete er mit seiner Familie immer noch einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. 1903 hatten sie eine Kuh von Johann Amherd zum Sommernutz. Dafür war vereinbart, dass der Besitzer der Kuh im Herbst 25 Pfund Butter erhalten sollte. Moritz aber weigerte sich diese Menge Butter auszuhändigen. Es ging soweit, dass die Angelegenheit am 15. Oktober 1903 vor dem Richter Roten Josef in Ried-Brig zur Sprache kam.

Im März 1904 wurde Moritz zum erstenmal Vater. Sohn Oswald wurde im Lingwurm geboren.

Schon im Juli 1905 erblickte auf der Wasenalp seine erste Tochter das Licht der Welt. Die Eltern gaben ihr den Namen Berta.

Am 13. November 1905 starb seine Mutter Philomena Eyer. Die gesamte Habschaft der Eltern wurde danach unter den vier noch lebenden Kindern aufgeteilt. (Von den 7 Geschwistern lebten nur noch vier. Der ältere Bruder Eugen, geboren 1867, war in London verheiratet. Während den Badeferien in Genua ertrank er im Mittelmeer. Die beiden Geschwister Brigitta 1868 und Johann 1875 starben beide als Kleinkinder.)

Als erstes setzten die vier Geschwister die Voralpe im Mittebäch, die 1875 von ihrem Vater gekauft wurde, mitsamt den dazugehörigen Gebäulichkeiten für Fr. 1500.- zum Verkauf aus. Anlässlich der Versteigerung vom 18.03.1906 in der Wirtschaft "Steiner" geht das ganze Gut in den Besitz des meistbietenden Eyer Dominik über. Die gebotene Summe betrug Fr. 2040.-.

Den Erbteil seiner Schwester Marie, die mittlerweilen mit Leo Meichtry verheiratet war und in Leukerbad wohnte, kaufte Moritz für Fr. 1600.-. Am 24.8.1907 bestätigte seine Schwester und sein Schwager die Bezahlung des Kaufpreises.

Auch den Erbteil von Schwester Katharina, die mit Anton Meienberg, dem späteren Stadtpräsidenten von Brig verheiratet war und damals in Genf wohnte, ging für den Betrag von Fr. 1500.- in seinen Besitz über. Den Erhalt der Kaufsumme bestätigten die Verkäufer Anton und Katharina Meienberg am 12.3.1908 in Genf.

Um seinen Schwestern ihre Erbteile auszahlen zu können, musste sich Moritz in Schulden stürzen.

Er nahm im Februar 1907 das Schuldbekenntnis gegenüber der Kirche Ried-Brig für den Betrag von Fr. 700.- entgegen, verzinsbar zu 5%. Als Hypothek gab er einen Teil des von Schwester Marie abgekauften Erbteils an.

Um auch Katharina den Erbteil auszuzahlen, nahm Moritz im März 1908 ein zweites Schuldbekenntnis entgegen. Diesmal erhielt er von Adolf Zurwerra, Handelsmann in Ried-Brig die nötigen 1500.- Franken. Als Zins wurden jährlich zahlbare 41/2% ausgemacht. Als Sicherheit wurde der grösste Teil des gekauften Erbteils in Hypothek gegeben.

Diese beiden Schuldbeträge bezahlte Moritz mitsamt den fälligen Zinsen im Mai 1933 zurück.

Ab 1906 begann Moritz sich selbständig zu machen. Er hatte noch seine Schreinerwerkstatt im Elternhaus im Lingwurm und erledigte Arbeiten in der ganzen Region. Im September 1910 beteiligte sich Moritz im Brigerberg am Aufbau der Startpiste für Geo Chavez Aeroplan, mit dem der Peruaner am 23. September zu erstenmal die Alpen überflog. Am Ende dieser Piste musste ein 50 m lange und 20 m breite, ansteigende Abflugstelle aus dicken Holzbrettern errichtet werden. Diese Arbeit wurde in 14 Tagen mit 6 Arbeitern aus der Umgebung ausgeführt.

Seine Fähigkeit ein Automobil fahren zu können, ermöglichte Moritz im Sommer bei Dr. E. Bürcher im Berisal als Chauffeur zu arbeiten. Mit einem sechsplätzigen "Martini" fuhr er die Feriengäste vom Bahnhof Brig in's Berisal, oder von dort über den Simplonpass. Dieser Beschäftigung als Chauffeur ging er bis ungefähr in's Jahr 1912 nach.

Auch seine Familie wurde immer grösser. Im April 1907 kam Prosper auf die Welt, und im Mai 1909 schenkte ihm seine Frau Sohn Rudolf. Das fünfte Kind Anton erblickte am 5. August 1911 auf der Wasenalp das Licht der Welt.

1914 erweiterte Moritz seinen Grundbesitz. Von Benjamin Blatter, einem Verwandten seiner Gattin, kaufte er im Fluhstutz 5000 m2 Weidland und 1/9 Gemach-Recht, im Rothwald zwei Wiesen von Total 1300 m2 und 1/9 an Wohnung und Scheune und im Stockalpji eine Wiese von 785 m2 mit 1/8 Stall und Scheune und 1/9 Wohnung. Für diesen Besitz bezahlte er 1400.- Franken.

Im März 1914 gebar seine Frau im Lingwurm erneut einen Sohn. Er sollte Ernst heissen.

Viel Arbeit hatte Moritz in seiner Schreinerwerkstatt. 1916 baute er im Rothwald das "Meienberg-Haus". Auf dem Pass erstellt er die Veranda des Hotel "Simplonblick". Weitere Arbeiten erledigte er im Gabi, in Simplon-Dorf und 1920 an der Lötschberg Südrampe. Eine typische Winterarbeit war das reparieren von alten Holzski. Allzuoft brach diesen Brettern die Spitze ab. Mit viel Geschick formte Moritz aus Eschenholz neue Skispitzen.

Moritz hatte auch Lehrburschen angestellt. Hans Heiss, erlernte nach der Rückkehr aus Cincinnati (Amerika) bei ihm das Schreinerhandwerk. In der Zeit als Moritz seine Schreinerwerkstatt im Untergeschoss des Schmidhalter-Hauses zuoberst im Lingwurm hatte, hiess sein Lehrling Eduard Schmidhalter.. In den Jahren danach, Moritz hatte die Werkstatt wieder in's Elternhaus verlegt, arbeitete Squaratti Hans von Zwischbergen bei ihm. Der vierte, dem er das Schreinern beibrachte, war Josef Eyer vom Bachji. Später, als sein Sohn Ernst alt genug war, lernte er auch diesen den Umgang mit Holz.

Im April 1916 wurde er zu siebtenmal Vater. Im Lingwurm kam Sohn Franz zur Welt.

Moritz war ein Mann mit vielen Talenten. Nachdem zwei seiner Vorfahren Tambour waren, zeigte auch er seine musikalischen Fähigkeiten. Nebst Klarinette und Hackbrett, verstand er auch den Umgang mit dem Alphorn. Die Klänge seines selbstgebauten Alphorns hallten des öftern über der Wasenalp.

Hedwig, sein achtes Kind, wurde kurz vor Weihnachten 1917 geboren.

Der erste Weltkrieg, der 1914 ausbrach, scheint bei unserer Familie keine Spuren hinterlassen zu haben. Vater Moritz war bereits in einem Alter, in dem er keinen Grenzdienst mehr leisten musste und seine Söhne waren dafür noch zu jung.

Da Moritz als einziges der Geschwister Glaisen im Lingwurm geblieben ist und Landwirtschaft und Schreinerwerkstatt übernommen hat, kaufte er im April 1920 auch seiner dritten Schwester Alina den Erbteil ihrer Eltern ab. Als Kaufpreis wurden 1000.- Franken vereinbart. Somit war er alleiniger Besitzer der, 1829 von seinem Grossvater im Lingwurm erbauten Wohnung, des Stalls und der Scheune und fast aller Grundstücke aus dem Erbe seiner Eltern.

Alina wohnte und arbeitete schon lange bei ihrer Schwester Katharina Meienberg.

Früher führte diese mit ihrem Mann die Brasserie "Bernoise" in Genf. Danach, als ihr Mann Anton Meienberg das Amt des Stadtpräsidenten von Brig inne hatte, betrieben sie das Bahnhofbuffet in Brig.

Im selben Jahr erwarb Moritz von Viktor Schmidhalter einen weiteren 220 m2 grossen Teil des Fuxachers, der gegen Norden und Osten an seinen Boden grenzte.

Als seine Frau Maria im Juli 1920 mit dem Vieh auf der Wasenalp war, gebar sie ihr neuntes Kind. Moritz arbeitet damals an der Lötschberg-Südrampe. Um den kleinen Johann zu taufen, trug ihn seine 15jährige Schwester Berta in den Brigerberg. Dort wartete der Vater mit der Gotta und dem Getti. Nach der Taufe ging es zu Fuss wieder zurück auf die Alpe.

Im Frühling 1921 erbte Maria zusammen mit ihrer Schwester Kresenzia Biedermann - Blatter den ganzen Besitz ihrer Mutter Maria. Darunter waren Wiesen, äcker und Weiden sowie Stall und Hausrechte auf der Wasenalp, im Fluhstutz und im Stockalpji.

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Die Wasenalp

Wie schon im Vorjahr, gebar sie auch im Spätsommer 1921 auf der Wasenalp einen Sohn. Es war ihr zehntes Kind. Leider starb der Säugling, der den Namen Josef tragen sollte, wenige Stunden nach der Geburt.

Im Dezember 1922 ging Sie mit einer Marie Steiner von Ried-Brig einen Tauschvertrag ein. Sie gab einen Teil ihrer Erbschaft, namentlich zwei Wiesen (2475 m2) und eine halbe Scheune mit Stall im "Kritzji" mitsamt den Wasserrechten aus der neuen Wasserfuhr, und erhielt dafür eine Wiese im Hilischhüs (3398 m2) mit den Wasserrechten aus der Breyeri und am gleichen Ort 1/4 Scheune und 1/3 Stall. Dieser Tausch hatte für unsere Familie den Vorteil, das der eingetauschte Boden in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses im Lingwurm lag. Die abgegebenen Güter im Kritzji (beim heutigen Rest. "Chavez") lagen für sie zu weit entfernt um täglich das Vieh zu versorgen.

Am 27. Februar 1925 kaufte Moritz zum Preis von 230.- Franken von Viktor Borter ein Viertel der Scheune und des Stalls, welche im Süden an sein Haus grenzt. Er trennte seinen Viertel vom Rest der Scheune mit einer Zwischenwand ab und richtete sich darin seine neue Schreinerwerkstatt ein. Da dieser Scheunenanteil direkt an die Rückseite seiner Wohnung angebaut war, verband er beide Räume mit einer Türe und konnte so von der Küche direkt in die Werkstatt gelangen. In dem Teil der Wohnung, der bis anhin als Arbeitsplatz benötigt wurde, errichtete er ein zusätzliches Zimmer und einen Eingang mit zwei grossen Wandschränken.

Einen weiteren Sechstel der Scheune in der er seine neue Werkstatt hatte, konnte er im Dezember 1926 von Eduard Schmidhalter zum Preis von Fr. 110.- erwerben.

Im Winter 1925/26 arbeitete Moritz in Simplon-Dorf für Herrn Gerold . Als er wieder zurück in den Brigerberg wollte, fiel im Simplongebiet eine derart grosse Menge Schnee, dass er fast den ganzen Winter über in Simpelen verweilen musste.

Trotz der vielen Arbeit fand Moritz auch Zeit für Hobbys. Eine seiner grossen Leidenschaften war das Schiessen. Bereits 1897, im Alter von 27 Jahren trat er der Schützenzunft Ried-Brig bei. Damit sie nicht für jede Schiessübung in den Schiessstand im Brigerberg laufen mussten, richteten sich die Lingwurmer ihren eigenen Schiessplatz ein. Knapp 250 m westlich des Dorfes, am Eingang zum Grindji war der Schützenstand. Das Wort Schützenstand ist vielleicht etwas übertrieben. In Wirklichkeit lagen die Schützen auf der offenen Wiese und zielten mit ihren Vetterligewehren auf die Scheiben, die 300 m entfernt an einem Lehmberg im Grindji aufgestellt waren. Dennoch wurde die Anlage rege benutzt. Sogar das Militär absolvierte hier einige Schiessübungen. Es wird erzählt, unser Moritz sei ein ausgezeichneter Schütze gewesen.

Langsam kamen die Jahre, in denen die älteren Kinder in der Fremde ihr Geld verdienen mussten. Tochter Berta trat im Sommer 1923 eine Saisonstelle auf Schwarzsee bei Zermatt an.1924 arbeitete sie bei einer Familie in Leuk und zog danach für weitere zwei Jahre nach Genf, wo sie im Hotelgewerbe angestellt war. Natürlich vermisste man im elterlichen Betrieb die Mitarbeit von Berta. Deshalb kehrte sie nach den zwei Welschlandjahren in den Brigerberg zurück und half im Sommer in der Landwirtschaft kräftig mit. Den Winter hindurch arbeitete sie aber noch weitere sechs Jahre in Genf. In den vierziger Jahren war Berta so manchen Winter als Hüttenwartin zusammen mit ihrem Bruder Ernst auf der Wasenalp.

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Die Skihütte auf der Wasenalp

Auch der älteste Sohn Oswald zog 1923/24 nach Genf um dort als Conçierge zu arbeiten. Um die englische Sprache zu erlernen hielt er sich einige Zeit in England auf. 1930 heiratete er Marie Imboden uns liess sich später in Genf nieder.

Rudolf besuchte zu dieser Zeit noch das Kollegium in Brig. Danach zog auch er nach Genf um im Hotelfach Erfahrungen zu sammeln. Seine Arbeit brachte ihn bis nach Holland. Später kehrte er wieder nach Genf zurück. Der Gastronomie blieb er treu. 1957/58 liess er in Brig das Restaurant "Bellevue" bauen.

Seinen Geschwistern folgend, stieg auch Sohn Anton ins Gastgewerbe ein. Er trat eine Service-Stelle in einem Hotel in Montreux an. In den Wintermonaten 1935/36 und 1936/37 war er Hüttenwart in der Skihütte auf der Wasenalp. 1939, zwei Jahre nach seiner Hochzeit mit Heldner Veronika, übernahm er in Reckingen ein Hotel. Auch seine Schwester Berta arbeitet einen Winter bei ihm. Dieses Hotel führte er nur ein Jahr. Mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs musste Anton und seine Brüder für eine längere Zeit in den Militärdienst einrücken. Später eröffnete er auf dem Dorfplatz in Glis ein Lebensmittelgeschäft.

Prosper, der von Geburt an taubstumm ist, hatte in der damaligen Zeit kaum die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen. Er besuchte eine Spezialschule in Gerunda bei Siders. Danach arbeitete er zu Hause im landwirtschaftliche Betrieb.

Auch seine Schwester Hedwig hatte leider grosse Probleme mit der Gesundheit. Schon als junge Frau wurde sie von "Multiple-Sclerose" befallen. Diese Krankheit fesselte sie bald einmal an den Rollstuhl. Sie wohnte bis zu ihrem Tod 1974 im Elternhaus im Lingwurm und wurde von ihrer Schwester Berta, die nach ihren Welschland-Jahren für immer ins Elternhaus zurückkehrte, gepflegt.

So bleiben noch die drei Söhne Ernst, Franz und Johann.

Ernst arbeitet mit seinem Vater Moritz im Lingwurm. Er erlernte bei ihm das Schreinern. Als Moritz das Pensionsalter erreichte, richtete sich Ernst im Brei eine Schreinerwerkstatt ein und ging dort seinem Beruf nach. Von 1937 bis 1949 verbrachte er die Wintermonate als Skihüttenwart auf der Wasenalp. Nach seiner Hochzeit mit Anna Bonani im Jahr 1956, trat er eine Stelle in der Schreinerei "Schnydrig" in Brig an. Ein Jahr später, am 20. März 1957 wechselte er seinen Arbeitsplatz. Sein neuer Arbeitgeber war die Bauunternehmung "Gentinetta". Leider wurde Ernst viel zu früh Opfer eines schweren Nierenleidens. Nach vierjähriger Krankheit starb er im Juni 1972.

Franz sah sich zum Malerhandwerk hingezogen. Nach seinen Lehrjahren eröffnete er ein kleines Malergeschäft im Rhonesand in Brig. Mit seiner Frau Heinzen Margrit zog er dann nach Leukerbad wo er seinen Betrieb erweiterte. Später verkaufte er sein Geschäft und liess sich wieder in seiner Heimat im Brigerberg nieder.

Der jüngste Sohn Johann trat in den Dienst der SBB. 1948 heiratete er Therese Schmid. Im Bahnhof Brig arbeitete er sich von Rangierarbeiter bis in eine leitende Stelle im Güterbahnhof hoch.

Zuhause im Lingwurm arbeitete Moritz immernoch als Schreiner. In den Sommermonaten hatte er viel Arbeit mit der Heuernte. Dabei halfen ihm seine daheimgebliebenen Söhne. Auch die Haushaltung war grösstenteils Männerarbeit. Frau Marie, die Töchter Berta und Hedwig und auch Sohn Prosper waren auf der Wasenalp und versorgten das Vieh. Um 1930 waren dies ca. 5-6 Kühe und Rinder und 2 Schweine. In den späteren Jahren, als sie auch Dingvieh auf die Alp führten, wuchs die Herde auf bis zu 25 Stück Vieh an. Die Tiere wurden Anfang Juni für ca. 3 Wochen ins Stockalpji geführt. Danach wurden sie weitergetrieben auf die Weiden vom undere Rothwald. Mitte Juli, wenn das Gras auf den höher gelegenen Alpen gross genug war, zog man weiter in den Flühstutz und auf die Wasenalp. Moritz konnte damals eine ordentliche Fläche Boden sein Eigen nennen. Die Weide im Stockalpji mass 12360 m2, die Güter auf der Wasenalp und im Flühstutz 21864 m2. Auf beiden Alpen befanden sich Hütte, Stall und Scheune. Die Arbeit auf der Alp war, wie schon zuvor erwähnt, hauptsächlich Sache der Ehefrau und der Töchter. Moritz und seine Söhne, die einer geregelten Arbeit nachgingen, fanden nur an den Wochenenden Zeit auf die Alp hochzusteigen. Die Strecke Lingwurm - Wasenalp legte man selbstverständlich zu Fuss, oder später mit dem Velo zurück. Mit diesem auf der nicht geteerten Simplonstrasse nach Brig zu fahren, war sicher ein besonderes Erlebnis. Ein öffentliches Amt, das Moritz als Landwirt in gewissen Jahren übernehmen musste, war das des Wasservogts. Wie überall im Wallis bewässern auch die Bauern im Brigerberg ihre Wiesen mit Wasser, das mittels "Suonen" von weit her auf die Felder geleitet wird. Um diese Wasserleitungen in Stand zu halten, wurde jedes Jahr ein Wasservogt bestimmt, der für deren guten Zustand verantwortlich war. Moritz bezog sein Wässerwasser aus der Riederi/Breieri und musste somit diese Leitung in Stand halten. Diese Riederi hatte ihre heikelste Stelle beim sogenannten "Chinbriggulti" zwischen dem Schallberg und dem Chalchofen. Hier floss das Wasser auf einer Strecke von ca. 60m durch Holzkännel, die an der Felswand befestigt waren. Diese Kännel mussten im Herbst abmontiert und im Frühling wieder angebracht werden. Als Wasservogt war Moritz verantwortlich für die Ausführung dieser Arbeiten. An Seilen wurden die Arbeiter in die Felswand hinuntergelassen um die Kännel zu befestigen. Einer der diese Arbeit verrichtete war sein Sohn Ernst.

1935 ging Moritz in Pension. Vom Schreinern wollte er nun nichts mehr wissen. Er bezeichnete sich jetzt als Landwirt, was er in einem Schreiben von 1939 auch dem kant. Finanzdepartement, das ihn plötzlich als Maler in seinen Akten führte, klarzumachen versuchte.

In den darauffolgenden Jahren begann sich der Gesundheitszustand seiner Frau Maria immer mehr zu verschlechtern. Am 18. Januar 1948 starb sie im Alter von 70 Jahren.

Jetzt wurde es langsam Zeit, den landwirtschaftlichen Betrieb zu verkleinern. Moritz war mittlerweile 78 Jahre alt und von den Kindern war nur noch Berta, Prosper, Hedwig und Ernst zu Hause. Der Viehbestand wurde auf 2-3 Kühe reduziert. Dazu hielt man sich noch 1-2 Schweine. Zur Sömmerung wurde das Vieh einem ortsansässigen Bauern anvertraut. Die eigenen Alpweiden im Simplongebiet konnten nicht mehr selber genutzt werden. Aus diesem Grund wurde im Frühjahr 1949 der ganze Besitz im Stockalpji an Moritz Bieler und der im Flühstutz/ Wasenalp an Viktor Perrig verkauft. Für die insgesamt 34234 m2 Weidland mit 2 Alphütten und Anteilen an 2 Ställen und Scheunen wurde ein Gesamtpreis von Fr. 14000.- ausgehandelt.

Als 1956 auch Ernst das Elternhaus verliess, war es vor allem Berta, welche die Geschicke im Lingwurm in die Hände nahm. Mit der Hilfe ihres taubstummen Bruders Prosper hielt sie den kleinen Bauernbetrieb aufrecht und sorgte für Vater Moritz und Schwester Hedwig, die jetzt endgültig an den Rollstuhl gefesselt war.

Am 21. November 1962 starb Moritz nach einem ereignisreichen Leben, im hohen Alter von 92 Jahren.

Bild Geschichte der Familie Clausen/Glaisen Index