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Die Ausgewanderten

Clausen/Glaisen

Inhalt

Geschichte


Der Familienname
Das Wappen
Leben und Wirken unserer Vorfahren:


Die Auswanderer

Sagen und Geschichten

Die Ausgewanderten

Im 18. Jahrhundert stellte sich im Berggebiet ein grosser Bevölkerungszuwachs ein. Verdienstmöglichkeiten waren rar und das tägliche Brot war knapp. Als in dieser allgemeinen Not Männer kamen und für den Söldnerdienst in den französichen Truppen warben, war es nicht weiter verwunderlich, dass viele junge Oberwalliser darin eine Chance sahen, in der Fremde Ruhm und Geld zu erlangen.

Einer dieser kriegslustigen Burschen war Franz Glaisen von Gondo. Als Söldner leistete er im Garderegiment Ludwigs des XVI. Dienst. Franz kämpfte beim legendären Angriff vom 10.08.1792, bei dem die Nationalgarden und die Sansculotten die königlichen Truppen, zu denen auch die Schweizer-Garde gehörte, in Paris angriffen. In dieser Schlacht kamen 600-650 Schweizergardisten ums Leben. Einer von Ihnen war ein Johann Clausen aus Mühlebach. Unser Franz hat diesen 10. August scheinbar überlebt ist aber kurze Zeit später dennoch als Söldner in Frankreich gestorben. Beide wurden 1818 von der Tagsatzung posthum mit einer Medaille geehrt. Zu Ehren der gefallenen Schweizer wurde 1821 in Luzern das Löwendenkmal eingeweiht.

Die zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts brachte dem Wallis erneut eine grosse Auswanderungswelle. Die schlechte Wirtschaftslage des Kantons liess kein existenzsicherndes Einkommen zu. Die meisten Familien hatten einen kleinen Bauernbetrieb. Dessen Ertrag reichte aber kaum aus, um die kinderreichen Familien zu ernähren. In dieser Not suchten viele junge Burschen und Mädchen, ja sogar ganze Familien ihr Glück im fernen Amerika.

Auch Angehörige der Familie Glaisen wagten die lange und beschwerliche Reise über den Atlantik.

1864 war es Alois Glaisen, der mit seiner Frau und den 3 Kindern nach San Hieronimo Norte in Argentinien auswanderte.

Ein paar Jahre später tat es ihm Karl Glaisen nach. Er übersiedelte mit Frau und 8 Kindern in die argentinische Provinz Santa Fé.

Von der Familie Heiss erhielten wir ein Photo von jungen Brigerbergern, die zu Beginn dieses Jahrhunderts nach Cincinnati in den USA ausgewandert sind. Auf ihm sind neben ihrem Vater Hans Heiss, der nach seiner Rückkehr aus der USA bei unserem Moritz in Lingwurm eine Schreinerlehre begann, auch vier Glaisen aus Ried-Brig abgebildet. Einer von ihnen muss Fridolin sein, ein entfernter Verwandter, der 1934 in Cincinnati gestorben ist. Von den andern ist der Vorname nicht bekannt.

In der heutigen Zeit, in der man mit dem Flugzeug in einem Tag bequem fast jeden Punkt unserer Erde erreichen kann, ist es nichts Besonderes, wenn die Verwandtschaft in alle Winde verstreut ist. Zur Zeit als unsere Vorfahren auswanderten, sah eine Reise z.B. nach Amerika noch ganz anders aus. Mit Ross und Wagen, teilweise mit der Eisenbahn, musste man zuerst den Hafen von Genua oder Le Havre erreichen. Von dort dauerte die Fahrt über den Atlantik mit einem Segelschiff volle 70 Tage. Wer genug Geld hatte konnte sich die Überfahrt auf einem Motorschiff leisten. Aber auch so war man bis zu drei Wochen auf der unruhigen See.

Der Mut und die Energie die eine kinderreiche Familie aufbringen musste um mit dem ganzen Hausrat eine solch weite und beschwerliche Reise auf sich zu nehmen, ohne zu wissen, ob der Start in der noch unbekannten neuen Heimat gelingen wird, zeigt deutlich, wie gross der Wunsch war, dem harten und entbehrungsreichen Leben in den abgelegenen Bergtälern zu entkommen.

Ein eindrückliches Beispiel für die damalige Reiselust ist die Familie des Joseph-Ignaz Clausen. Nicht weniger als fünf seiner Kinder verliessen ihre Heimat. Durch Zufall fand man eine beachtliche Anzahl Briefe die Sie aus der Ferne an ihre Eltern in Simplon-Dorf geschrieben haben. Der Autor, Herr Klaus Anderegg, hat aus diesen Briefen das folgende Hörspiel zusammengestellt, das vom Radio DRS ausgestrahlt wurde.

Donnerstag, 14. September 1995 / DRS I /.Programmtitel «ZB - Zum Beispiel»

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts haben 6 Söhne der Familie Clausen aus Simplon-Dorf als Portier und Kellner in den damaligen mondänen europäischen Hotelleriebetrieben gearbeitet. Stationen ihrer beruflichen Tätigkeit: London, Paris, Lyon, Nizza, St. Petersburg und Odessa. In den Briefen an ihre Angehörigen im Wallis haben sie erzählt von den Schwierigkeiten, wie man Arbeit finden konnte, oder sie haben von ihrem harten Arbeitsalltag berichtet.

Autor der Sendung: Klaus Anderegg.

Bild Geschichte der Familie Clausen/Glaisen Index