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Sagen und Geschichten

Clausen/Glaisen

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Geschichte


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Leben und Wirken unserer Vorfahren:


Die Auswanderer

Sagen und Geschichten

Sagen und Geschichten

Das Kind im Staldenwasser

Vom hochw. Herrn Alois Schlunz, der von 1832 bis 1882 Rektor oder Kaplan in Glis war und daselbst im letztgenannten Jahre im Rufe der Heiligkeit gestorben ist, wird viel und ganz Wunderbares erzählt. ältere Leute wissen noch heute manches von ihm zu berichten. So soll er auch in Simplon beim Verlust eines Kindes ganz merkwürdig geholfen haben.

Das Kind gehörte einem gewissen Alois Clausen von Zwischbergen, der später nach Amerika auswanderte, aber damals in Simplon-Dorf wohnhaft war. Auch der kleine hiess Alois und war ungefähr 8 Jahre alt.

Die Familie Clausen hatte das sogenannte Kaplaneigut in den Stalden unterhalb des Dorfes zu Lehen. Die Mutter und der Knecht waren da mit embden beschäftigt und Klein-Alois half so mit, was ein Kind helfen kann.

Am Abend ging die Mutter voraus ins Dorf und befahl dem Kleinen, mit ihr zu kommen.

"Ich geh' zum Knecht und komm' dann mit dem Knecht hinauf", ungehorsamte der Knabe und sprang die Matte hinunter gegen das Staldenwasser, wo der Knecht einen Eschenbaum ablaubte.

Die Mutter schalt und schimpfte ihm nach, hatte aber grösste Eile, ging heimzu und liess dem Kinde den Eigenwillen. Wie die Nacht hereinbrach, kam der Knecht nach Hause. Alois aber nicht, und der Knecht staunte und erklärte, den Jungen nirgends gesehen zu haben.

In Angst und Sorge lief man eiligst in die Stalden hinunter und schrie und suchte. Aber nichts gab Antwort und nichts war zu finden. Nur das Staldenwasser donnerte und toste und warf sich in Schaum und Gischt zwischen gewaltigen Flühen und über ausgeleckte Felsen ins enge, schaurige Kinn und Killer hinein, in das weiter unten vom Dorfe her der Kelchgraben herabfällt.

"Und wenn der Fratz in die Keschermatte hinübergegangen wäre?" suchte man noch einen letzten Trost. Da war ja sein lieber Spielkamerad. Aber nicht da und nirgends war der Kleine zu finden und nicht eine Spur konnte man von ihm entdecken.

"Der Ungehorsame ist ins wild wütende Wasser gefallen", das war die Klage aller, "und wie die Leiche in den schauerlichen Schluchten und Klüften finden?"

Ganz untröstlich waren die armen Eltern.

Tagelang suchte man den tosenden Wildbach in all den klemmen und Felszwängen ab; oft unter grösster Lebensgefahr. Vielerorts gelangte man nur an Seilen und über schwindlige Felsen in die Tiefe hinunter. Aber alles umsonst. Vom Kinde war keine Spur zu finden.

"Sollten wir uns nicht bei Kaplan Schlunz in Glis Rat holen?" berieten die Suchenden. "Der fromme und heilige Mann weiss mehr als ein Gewöhnlicher und hat schon vielen geholfen."

Der ehrwürdige Herr betete und betete und hiess den Vater beten. Endlich sagte er:" Ich meine, der liebe Gott hat mir gezeigt wie euch helfen. Der kleine ist in den Bach gefallen. Der hat ihn 200 bis 300 Meter weitergetragen. Wo das Kind liegt, kommt vom Dorf herunter ein Graben und von der anderen Seite stürzt ein kleines, aber sehr kaltes Wässerlein über den Felsen herunter und fällt auf einen grossen Stein. Das Wasser trifft zum Teil den Stein, zum Teil das Haupt des Kindes, das hier eingeklemmt drei Wochen lang für den kindlichen Ungehorsam büssen muss."

"Tausendmal vergelt's Gott, Herr Kaplan", dankt ergriffen der Vater. "Sie müssen recht haben. Die Ortsangaben stimmen. Vom Dorfe herunter kommt der Kelchgraben und genau von der anderen Seite fällt ein eisig kaltes Brunnenwasser in den Bach."

Die Leute gingen und suchten. Auf den Tag drei Wochen nach dem Unglücksabend fand man die Leiche an der bezeichneten Stelle und genau so, wie der Kaplan Schlunz angegeben hatte.

(Aus dem Buch "Bergmenschen" Bd II, Seite 149, von E. Zenklusen)

Bemerkung zur Geschichte von E. Zenklusen.:

Vater Alois Clausen war der Vetter unseres Josef Anton. Seine Frau hiess Escher Katharina. Dieser Familie ist tatsächlich der erste Sohn im Alter von 8 Jahren am 08. November 1860 im Staldbach ertrunken. Diese Tatsache ist im Sterbebuch von Simplon-Dorf niedergeschrieben. Der Knabe hiess aber nicht Alois wie sein Vater, sondern trug den Namen Franz Xaver. 1864 ist die ganze Familie nach Argentinien ausgewandert.

 

Glaisen Ignaz und der Gratzug :

Der Glaisen-Naz, der Vater vom Nazi, das vor zwei Jahren verstorben ist, holte in Walderubärg die Schafe. Wie er am St.Moritz (Sant Merezzu = 22. Sept.) mit ihnen auf den Walliboden kam, da wo heute die Skisprungschanze ist, geriet er in den Gratzug und konnte bis zum Betenläuten nicht mehr weiter.

Später kam er schliesslich ins Dorf, und als er in die Wohnung eintrat, fiel er der Länge nach auf den Boden und verlor sämtliche Zähne. Dann war er ein paar Tage lang krank.

Das erzählt man hier in der Gemeinde häufig, und der Naz hatte tatsächlich keine Zähne mehr. Das stimmt sicher.

Der 71jährige Elias Schmidhalter hat diese Geschichte 1961 erzählt. Auch die Tochter vom Naz, Magdalena Glaisen erzählte dieselbe Begebenheit, die ihr Vater wirklich so erlebt habe. Nur geriet er nicht im Walliboden in den Gratzug, sondern im Ganter, wo er den Gratzug durchs Riisand herunterkommen hörte. Er legte sich sofort an den Berg unter hinter ihm die Schafe auch, damit die armen Seelen, die beteten und sangen, vorbeikönnen. Der Gratzug ging bis zum Thälbrücklein und dann hinauf nach Rosswald. Wenn man in den Gratzug kam, trug man selten keinen "Presten" davon.

 

Gratzug im Mittubäch.

Erzählt von Magdalena Glaisen, Lingwurm, genannt "z'Madleni"

Ich war damals noch ein kleines Stümpchen von einem Mädchen. Eines Frühlings, als ich mit meiner Mutter z Mittebäch in der Alpe war, hörte ich in der Nacht, wie es durch den "Stumpo" herunterkam. Es jodelte und schrie und jauchzte. Dazu hörte ich sämtliche Kühe des Priors in unserer Matte**.

Ich weckte die Mutter und sagte ihr: "Jetzt sind alle Kühe des Priors in unserer Matte. Wir müssen sie drausjagen!" Die Mutter sagte aber: "Bleib nur still!"

Der Gratzug fuhr nachher die Taferna hinunter gegen den Schallberg zu. Die Mutter hörte ihn aber nicht.

Am folgenden Tag schaute ich in dem Matten nach, ob sie stark zerstampft worden sei, aber alles lag da, wie wenn nichts passiert wäre.

**Die Chorherrn vom Grossen St. Bernhard, die auch das Hospiz auf dem Simplon besitzen, sömmerten einen Teil ihres Viehs in ihrer Alpe Mittebäch.

 

Der 86jährige Elias Borter erzählte 1961 zwei Geschichten über einen Glaisen Hans der seinerzeit in Gletsch gearbeitet hat.

Ds Gläisi Häischi (Glaisen Hans) war noch mit achtzig Jahren ein kräftiger Mann. Der Pianzzola Josef erzählte mir von ihm folgende Geschichte. Einst war ds Häischi in Gletsch am Arbeiten. Da kam ein Engländer und fragte, wie lange er etwa bis hinein zum Gletscher zu laufen habe. "Etwa so eine Viertelstunde", lautete die Auskunft.

Am Abend kam Herr Seiler zum Häischi und machte ihm Vorwürfe. Er solle doch nicht so die Leute anlügen. Jetzt komme da ein Engländer und tobe, dass er eine ganze Stunde bis zum Gletscher gebraucht habe, und der Arbeiter habe nur eine Viertelstunde angegeben.

Ganz unschuldig antwortete ds Häischi: "Ja hört, Herr Seiler, der Engländer fragte mich, wie lange er bis zum Gletscher zu laufen habe. Ich dachte, er wolle wirklich laufen und schätzte, dieser grosse Mann mit den langen Beinen brauche doch nicht mehr als eine Viertelstunde.

Der Herr Seiler hatte seinen Spass daran und offerierte sogar eine Flasche, die ganz gerne genommen wurde.

 

Im Blauen Haus in Gletsch kam einst eine fahrende Truppe mit einer Menge Affen vorbei. Die äffchen vollführten die merkwürdigsten Sachen, so dass die Leute ihren Spass daran hatten. Zum Schluss erklärte der Chef der Truppe, aus all dem ersehe man deutlich, dass der Mensch vom Affen abstamme.

Da stand aber ds Glaisi Häischi auf und sprach folgendes: "Ja, das glaube ich gerne, dass in jenen heissen Ländern der Mensch vom Affen abstammt, aber hier bei uns in Europa, ist dazu viel zu kalt; wir stammen von Adam und Eva ab."

Bild Geschichte der Familie Clausen/Glaisen Index